Amazon Kindle zieht mich plötzlich magisch an
Anfangs war ich völlig unbeeindruckt von diesen e-readern. Sahen irgendwie dämlich aus, Konzept braucht man nicht, Abdeckung mit Material ungenügend usw. – abgehakt.
Dann kam die Phase wo ich mich zunehmend intellektuell mit den Teilen auseinandergesetzt habe. Hier und dort was drüber gelesen (meist eher ebenfalls skeptische Artikel) und vor allem immer wieder drüber nachgedacht. Was könnte so ein Gerät verändern wenn es plötzlich doch erfolgreich wäre?
Kurz vor dem Ausbruch musste ich einen Vortrag vor einer grossen Digital-Redaktion halten über Content-Targeting und Technologien der Zukunft. Da fiel mir ein, dass ich ein Beispiel für eine elektronische Zeitung im Kopf habe das mich seit langem nicht loslässt. Es ist die Szene in Harry Potter wo der Daily Prophet in Spiel kommt – die digitale Tageszeitung von Hogwards. Das faszinierende an dieser Zeitung ist Ihre Interaktivität, also die Tatsache dass insbs. die Bildelemente animiert sind und je nach Nachrichtenlage ausgetauscht werden – personalisiert versteht sich.
Das fand ich super faszinierend.
So – und dann sass ich gestern auf der TEDxBerlin neben einem Bekannten der einen Kindle dabeihatte. Wir kamen darauf weil gerade ein Vortrag über e-reader lief (der Gründer von txtr), aber das war gar nicht so wichtig.
Der Prozess von immer noch ziemlicher Ablehnung bis zu absolutem Haben-Wollen lief dann innerhalb weniger Minuten ab, und zwar so: der Kollege holte das Teil erst gar nicht aus der Tasche sondern erzählte kurz tuschelnd völlig fasziniert von seinem Kindle. Wie geil das sei damit zu arbeiten, dass er ihn nur noch dabeihabe, dass die Batterie 2 Wochen halte usw. – ein Sammelsurium begeistert vorgetragener Features.
Dann holte er ihn aus der Tasche und meinte “willste mal ausprobieren?”.
Tja, und da wars dann final um mich geschehen. Das Ding sieht definitiv cool aus, fühlt sich super an (bisschen wie der Ipod Touch, insbs. die Rückseite), ist permanent mit dem Netz verbunden und einfach total faszinierend. Es gibt neben einer Reihe guter amerikanischer Magazine diverse Zeitungen (dabei auch meine geliebte FAZ) und natürlich jeden Menge Bücher – derzeit aber nur englische. Angefixed war ich vom Technology Review den er draufhatte – ich hatte dieses Magazin früher mal abonniert und war immer total genervt von dem komplizierten Prozess ein amerikanisches Magazin zu ordern (und auch zu behalten weil man ja immer verlängern muss…).
Zusätzlich zur haptischen Fazination kam diese unglaubliche Display-Technik. Das liest sich wirklich wie Papier, ist überhaupt nicht mit einem normalen Bildschirm zu vergleichen. Man halte mich für verrückt, aber das Display ist magisch.
Also, in dem Moment war ich verloren. Wünsche mir jetzt einen Kindle zu Weihnachten und werde alles dafür tun ihn zu bekommen. Kann gut sein, dass ich es nicht aushalten und ihn vorher kaufe.
Der Clou an dieser 5-Minuten Total-Wandlung vom Skeptiker vom Haben-Woller war vermutlich die Kombination aus einer Person die ich für relevant und glaubwürdig halte, deren Faszination für das Produkt und das überzeugende Produkt selbst.
Das macht auch nochmal klar wie man mit Social Media tausendfach effizientere Produkt-Werbung machen könnte – um das obige Erlebnis “nachzubauen” müsste man allerdings noch diese Faszinationskomponente reinbringen – ein einfaches Hereinreiten auf dem Social Graph reicht da eben nicht. Wie wäre es wenn User eigene Empfehlungsvideos produzierten und an den Verkaufserlösen partizpieren würden?
However. Buy a kindle.
